Arbitrage-Wetten – die mit der Gewinn-Garantie

Die Arbitrage Wetten versprechen „Sure Bets“ und damit „sichere Gewinne“. Bei einer Arbitrage gewinnen die Spieler immer. Wenn auch der Spieler bei einem Teil der an der Arbitrage beteiligten Wetten verliert, so bleibt ihm unter dem Strich jedoch immer ein Gewinn – und genau das ist die Arbitrage-Situation. Bei einem „sicheren Gewinn“ geht der Spieler keinerlei Risiko ein, denn er kann nicht verlieren. Allerdings ist dennoch Vorsicht geboten, denn neben der theoretischen Berechnung der Gewinnsituation bergen die Arbitrage-Wetten in der Praxis nicht unerhebliche Risiken für den Spieler. Die Arbitrage-Situationen entstehen durch Quotenschwankungen, die in der Regel nicht bei ein un demselben Wettanbieter vorkommen. Die Ausnahme von dieser Regel sind Live-Wetten und Back/Lay-Wetten, mit denen der Spieler die „Sure Bets“ bei ein und demselben Wettanbieter erzielen kann.

Beispiel für eine Arbitrage-Situation:

Weichen etwa die Quoten zweier Wettanbieter stark voneinander ab, so wird beim Setzen auf beide für die Spielausgänge immer gewonnen. Ursprünglich stammt der Begriff „Arbitrage“ aus der Finanzwelt. Wenn der Goldverkauf in New York billiger ist als der Goldankauf in Frankfurt, besteht eine Arbitrage Situation: In New York wird das Gold gekauft, in Frankfurt zu einem höheren Preis verkauft. Doch das Auffinden von Arbitrage-Situationen ist nicht einfach – jedenfalls nicht ohne den Einsatz von Computern. Doch Platzieren müssen die Spieler ihre Wetten immer noch selbst – und auch da liegt eine der Gefahrensituationen. Da Arbitrage-Wetten bei den Wettanbietern rund um die Welt auftreten können und der Spieler für den Fall der Fälle gewappnet sein will, muss er zwangsläufig bei vielen Anbietern Wettkonten unterhalten. Das heisst, unter Umständen hat er bis zu 100 Konten zu verwalten.

Eine spezielle Arbitrage-Software spürt für die Spieler genau diese Arbitrage-Situationen auf. Allerdings wird damit meist auch ein monatlicher Beitrag an den Software-Anbieter fällig. Doch selbst beim Software-Einsatz muss der Spieler immer noch selbst bieten. Eigentlich sollten die Arbitrage-Wetten der Wettbranche schaden, doch verboten oder illegal sind sie deshalb nicht. Die Teilnahme bzw. die Nutzung einer Arbitrage-Software kann kostenpflichtig und auch als Multi-Level-Marketing organisiert sein. Dabei muss sich der Arbitrage-Spieler zunächst über einen sogenannte „Affiliate“, einen Partner des MLM-Programms zur Nutzung der Arbitrage-Software anmelden.

Wett-Varianten mit Arbitrage-Faktor

Echte Arbitragen-Wetten (All-Back Sure Bet) erfordern eine gute Vorbereitung. Damit muss zunächst viel Zeit investiert und immer auch etwas und Glück mitgebracht werden – nämlich um zum Beispiel genau im richtigen Moment zuzuschlagen. Die „sichere“ Kombination von Quoten zu finden, die bei allen möglichen Wettausgängen auch einen Gewinn liefert, ist schon aus verwaltungstechnischen Gründen nur wenigen Spielern möglich.

Weitere Arbitrage-Varianten, wie die Back/Lay-Sure Bets sind einfacher zu spielen. Es genügt ein Konto bei einer einzigen Wettbörse. Auch mit den Back/Lay-Wetten wird auf den gleichen Ausgang eines Ereignisses ein sicherer Gewinn erzielt. Eine Arbitrage-Wette liegt vor, wenn die Lay-Quote kleiner ist als die Back-Quote. Das kommt im direkten Vergleich nie vor, deshalb muss der Spieler die Entwicklung der Quoten, die vom wiederum vom Spielverlauf abhängen, vorhersehen. Beachtet werden muss bei der Kalkulation des Sure Bet-Gewinns auch, dass die Wettbörse einen bestimmten Prozentsatz des Gewinns einbehält.

Die Berechnung der Back/Lay-Sure Bets-Strategie

Die Back/Lay-Wette bildet immer eine Arbitrage, sofern die Lay-Quote unter der Back-Quote liegt. Umso größer die Differenz der beiden Quoten, desto höher fällt auch der Gewinn aus. Damit ist beim Back Lay/Sure Bet die Wette mit der höchsten Back- und der niedrigsten Lay-Quote auch die interessanteste. Ist diese bestimmt, werden nur noch die Einsätze für die möglichen Ergebnisse des Spiels ermittelt.

Das erforderliche Kapital hängt beim Back/Lay-Sure Bet-Prinzip sowohl vom Einsatz als auch von der Wettart ab.
Bei der Back-Wette ist das erforderliche Kapital gleich der Einsatzhöhe.
Bei der Lay-Wette ist das erforderliche Kapital gleich der Risikosumme (in englisch der Liability).
Grundsätzlich erfordert eine niedrige Lay-Quote auch weniger Kapital.
Umso höher die Lay-Quote, desto höher fällt auch der Kapitaleinsatz aus (siehe Beispiel).

Lay-Risikosumme = Einsatz * (Quote – 1)

Beispiel für eine Lay-Wette mit unterschiedlichen Lay-Quoten:

Einsatz = 50 Euro
Quote = 1.5
Back-Kapital = 50 Euro
Lay-Risikosumme = 50 Euro * (1.5 – 1) = 25 Euro

Einsatz = 50 Euro
Quote = 4.5
Back-Kapital = 50 Euro
Lay-Risikosumme = 50 Euro * (4.5 – 1) = 175 Euro

Die Berechnung der All-Back Sure Bet-Strategie

Bei der All-Back Sure Bet, der „sicheren Wette“, wird mit dem „Profitfaktor“ zunächst ermittelt, ob tatsächlich eine Arbitrage Situation vorliegt. Danach wird die Einsatzhöhe für die beteiligten Wetten ermittelt.

Arbitrage Strategie 1 – Berechnen des Profitfaktors

Der Profitfaktor sagt aus, ob es sich bei der Wett-Kombination auf die Arbitrage-Quoten tatsächlich um ein Sure Bet handelt. Der ermittelte Profitfaktor muss kleiner als 1 sein (z.B. ein Profitfaktor von 0,99). Ist er größer, dann macht nur der Buchmacher einen Gewinn.

Die Formel zur Berechnung des Profitfaktors ist:
Profitfaktor = (1/Quote1) + (1/Quote2)

Als Beispiel dienen die Quoten eines Tennisspiels (zwei mögliche Ausgänge: Spieler 1 oder Spieler 2 gewinnt):
Sieg Spieler1: Quote 2.27 bei Anbieter1
Sieg Spieler2: Quote 1.82 bei Anbieter2

Profitfaktor = (1/2.27) + (1/1.82)
Profitfaktor = 0,99

Wird demnach bei beiden Wettanbietern auf die möglichen Spielausgänge gesetzt, verbleibt dem Spieler ein Gewinn – der Sure Bet.

Sind mehrere Spielausgänge möglich, wie im Fußballsport, lautet die Profitfaktor-Formel für die Quoten „Sieg“, „Niederlage“ und „Unentschieden“:
Profitfaktor = Profitfaktor = (1/Quote1) + (1/Quote2) + (1/Quote3)

Arbitrage Strategie 2 – Berechnen der Einsatzhöhe

Um festzustellen, welche Einsätze auf die jeweiligen Quoten zu setzen sind, um einen „Sure bet“-Gewinn zu erzielen, werden die Einsatzhöhen für jeden der möglichen Spielausgänge berechnet. Die Formel dazu:

Einsatz 1 = 1 / Profitfaktor * Gesamtkapital / Quote1
Einsatz 2 = 1 / Profitfaktor * Gesamtkapital / Quote2
Einsatz 3 = 1 / Profitfaktor * Gesamtkapital / Quote3

Will der Spieler insgesamt 50 Euro einsetzen, ergibt sich für das Tennisspieler-Beispiel:
Sieg des Spielers1: Einsatz 1 = 1 / 0,99 * 50 / 2.27 = 22,25 Euro
Sieg des Spielers2: Einsatz 2 = 1 / 0,99 * 50/ 1.82 = 27,75 Euro

Beide Einsätze müssen getätigt werden, um im Sure Bet einen Gewinn von 10 Prozent zu erzielen.
Bei einem Fußballspiel kommt die dritte Quote für das „unentschieden“ hinzu.

Arbitrage-Wetten – Risiken für den Spieler

Für das Arbitrage Trading braucht der Spieler zunächst einiges an Erfahrung, aber auch die richtigen Werkzeuge (Software), um erfolgreich zu sein.

– Verschwinden von Arbitrage Situationen
Die Lebenszeit der Arbitrage-Wetten ist sehr kurz und liegt meist im Minutenbereich, bevor sie vom Markt verschwinden. Umso mehr Spieler die Arbitrage-Situation entdecken und umso höhere Beträge darauf gewettet werden, desto kürzer ist auch die Lebenszeit dieser Wetten. Damit muss man – nachdem die Arbitrage gefunden wurde – enorm schnell sein und sofort Setzen. Denn um einen sicheren Gewinn zu erzielen, müssen alle für die komplette Arbitrage notwendigen Wetten auch von den Buchmachern zu den entsprechenden Kursen akzeptiert werden.

– Anullierung von Wetten
Ist einem Buchmacher ein offensichtlicher Fehler unterlaufen, wenn er zum Beispiel die Quoten vertauscht hat, wird er selbst bereits angenommene und akzeptierte Wetten annullieren. Dabei kann selbst ein gesamter Markt aufgelöst werden, wenn sich beispielsweise Hinweise auf ein „Match Fixing“ zeigen und ungewöhnlich viele Wetten auf einen bestimmten Ausgang abgeschlossen wurden. Bei vorzeitigem Spielabbruch (z.B. schlechtes Wetter) oder wird ein Spiel verschoben, sind die Regeln der Buchmacher unterschiedlich: Sie warten auf das Nachspiel oder zahlen auf Basis der Zwischenergebnisse aus. Die genauen Regeln sind in den Geschäftsbedingungen des jeweiligen Buchmachers ersichtlich. Auf offensichtlich fehlerhaft eingestellte Wetten sollte daher erst gar nicht gesetzt werden; sie sind beinahe sichere Kandidaten für eine Annullierung. Eine Arbitrage sollte nach Möglichkeit nur bei Buchmachern und Wettbörsen platziert werden, die für die entsprechende Wettart auch den gleichen Regeln folgen.

– Eigene Fehler beim Setzen
Ist eine Arbitrage gefunden, so ist schnelles Handeln gefragt und in der Eile passieren sie dann – die Fehler beim Setzen der vollständigen Wette: Einsätze werden falsch berechnet, das falsche Spiel wird gewählt oder es ist schlicht und ergreifend nicht genug Geld auf dem Kundenkonto. Bis alle Transaktionen getätigt sind, ist die Arbitrage womöglich schon weg. Daneben besteht die Gefahr, ganz einfach den Überblick zu verlieren, wenn verschiedene Konten bei verschiedenen Wettanbietern gehalten und diese womöglich noch in unterschiedlichen Währungen geführt werden.

– Kündigung oder Einsatzlimits durch den Buchmacher
Vermutet ein Buchmacher Arbitrage, kann er das Spielerkonto kündigen oder die Wetteinsätze limitieren. Auch sind Höchsteinsätze für bestimmte Wetten möglich, wenn ein Spieler zum Beispiel nur einen bestimmten Betrag innerhalb eines Zeitraums gewinnen darf.
Verlieren ist meist unbegrenzt möglich.

– Währungsverluste
Das Platzieren von Wetteinsätzen in unterschiedlichen Währungen kann zu Währungsverlusten führen. Selbstverständlich kann der Spieler auch Währungsgewinnen erzielen, die seinen Gewinn noch erhöhen, jedoch empfiehlt es sich, bei Arbitrage-Wetten in unterschiedlichen Währungen genau Buch zu führen.

Fazit zu den Arbitrage-Wetten

Der durchschnittliche Spieler ist kein Investor. Die Suche, Platzierung und Verwaltung der Arbitrage-Wetten ist aufwendig und erfordert eine hohe Disziplin. Auch wenn das System den sicheren Gewinn verspricht, so funktioniert das nur, wenn auch alle Regeln beachtet und Gefahren vermieden werden. Hinzu kommt, dass der Zeitaufwand für das Arbitrage-Spiel relativ hoch ist und auch ein verhältnismäßig hohes Startkapital erforderlich ist, um – im Vergleich zum erforderlichen Zeiteinsatz – entsprechend hohe Gewinne zu erspielen. Spaß und Vergnügen bleiben bei den Arbitrage Wetten für viele Wett-Freunde auf der Strecke, denn letztlich wettet man bei den Sure Bets nicht auf seinen Lieblingsverein oder Favoriten, sondern platziert seine Einsätze ganz sachlich und aus rein mathematischen Gründen.

Autor dieses Beitrages

Caroline Müller
Ich bin Caroline Müller, Mitarbeiterin im Leistungszentrum eines großen deutschen Fussballverein in München. Geboren und aufgewachsen in Köln habe ich 2007 mein Master-Studium der "Exercise Science and Coaching" an der deutschen Sporthochschule Köln abgeschlossen. Dank meiner männlichen Kommilitonen wurde ich während meines Studium auch ein Fan von Sportwetten und freue mich hier meine Erfahrungen mit Euch zu teilen. Wir sehen uns auf meinen Google+ Profil.